Familienplanung und Verhütung

Familienplanung und Verhütung

In einem Beratungsgespräch zum Thema Verhütung geben wir Ihnen ausführliche Informationen zu den verschiedenen Methoden und führen eine gynäkologische Untersuchung durch. Aus der Vielzahl moderner Verhütungsmittel wählen wir gemeinsam die für Sie geeignete aus.

Bei Verhütungsmethoden wird oft vom Pearl-Index gesprochen.Mit dem Pearl-Index wird die Sicherheit einer Verhütungsmethode bezeichnet. Er beschreibt die Anzahl der ungewollten Schwangerschaften bei 1300 Anwendungszyklen von 100 Frauen (= 1 Jahr) bei korrekter Anwendung der genannten Verhütungsmethode.

Einige Verhütungsmethoden im Überblick:

Pearl-Index 0,1 – 0,9

Die Anti-Baby-Pille ist das beliebteste Verhütungsmittel in Deutschland. Sie ist im Allgemeinen ein Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat, in der heute üblichen niedrigen Dosierung als Mikropille bezeichnet.
Daneben gibt es noch reine Gestagenprodukte, diese bezeichnet man als Minipillen.

Die „Pille danach“ oder Notfallverhütung ist eine Tablette, die den Eisprung verhindert oder verschiebt, so  dass keine Befruchtung stattfinden kann. Sie wird u. a. verordnet, wenn die Anti-Baby-Pille vergessen wurde, das Kondom gerissen ist oder bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Vorteile:

  • reguliert den Zyklus
  • verringert den Regelschmerz (Therapie bei Dysmenorrhoe)
  • verbessert das Hautbild (Aknetherapie)
  • lindert prämenstruelle Beschwerden (z.B. Brustspannen)

Nachteile:

  • nicht geeignet bei erhöhter Thrombosegefahr (bei fam. Belastung für Lungenembolie, Schlaganfall, tiefer Beinvenenthrombose; bei starken Raucherinnen; bei Übergewicht)
  • tägliche Einnahme nötig, Fehler durch die Anwenderin möglich
  • Erbrechen, Durchfall oder Medikamente können die Sicherheit beeinträchtigen
  • Gewichtszunahme durch Änderung des Appetitverhaltens
  • Ödeme (Wassereinlagerungen),
  • Brustspannen
  • Libidoveränderungen (Veränderungen des Lustempfindens)

Pearl-Index 0,16

Die Hormonspirale ist ein kleiner T-förmiger Kunststoffkörper welcher täglich über 5 Jahre oder über 3 Jahre eine geringe Menge Gestagen (Gelbkörperhormon) in die Gebärmutter abgibt. Dieses Gestagen verdickt den Zervixschleim und hemmt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Der Aufstieg der Spermien u. damit die Befruchtung der Eizelle werden blockiert, sollte es doch zu einer Befruchtung kommen, wird das Einnisten einer befruchteten Eizelle verhindert.

Vorteile:

  • 5 Jahre bzw. 3 Jahre sichere Verhütung
  • keine Anwendungsfehler von Seiten der Anwenderin möglich
  • die Monatsblutungen werden schwächer und weniger schmerzhaft
  • anwendbar auch bei Risikogruppen

Nachteile:

  • häufig Blutungsstörungen innerhalb der ersten 3-6 Monate nach der Einlage
  • muss durch den Frauenarzt in die Gebärmutter eingelegt werden
  • verhindert den natürlichen Eisprung nicht, dadurch kann es zu Beschwerden im Zusammenhang mit einer normalen Funktion der Eierstöcke kommen (z.B. Brustspannen, Gewichtsveränderungen, Kopfschmerzen, unreine Haut in der 2. Zyklushälfte, Ovarialzysten, Eileiterschwangerschaften etc.)
Familienplanung und Verhütung
Hormonspirale längs
Familienplanung und Verhütung
Hormonspirale quer
Familienplanung und Verhütung
Eierstöcke in der Zyklusmitte

Pearl-Index 0,3 – 0,8

Die mit Kupferdraht umwickelte Kunststoffspirale wirkt als Fremdkörper und hemmt dadurch die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter. Zusätzlich schädigen die abgegebenen Kupferionen die Spermien und verändern die Gebärmutterschleimhaut  zur Empfängnisverhütung.

Vorteile:

  • keine systemische Wirkung und keine Beeinflussung des Stillens
  • keine Anwendungsfehler von Seiten der Anwenderin möglich
  • effektive und reversible Methode bei langer Liegezeit

Nachteile:

  • stärkere und schmerzhaftere Monatsblutungen v.a. in den ersten Monaten nach der Einlage
  • Einlage durch den Frauenarzt
  • Zwischenblutungen (Spottings) können auftreten
  • es kommt gelegentlich zu Dislokation (Verschiebung) und Expulsion (Ausstoßung) der Spirale
  • das Risiko von Entzündungen und Eileiterschwangerschaften ist erhöht
  • im Zusammenhang mit dem natürlichen Zyklus (auch hier wird der Eisprung nicht verhindert) können zyklusbedingte Beschwerden auftreten (Brustspannen, Kopfschmerzen, unreine Haut in der 2. Zyklushälfte, Ovarialzysten, prämenstruelles Syndrom/PMS etc.)
Familienplanung und Verhütung
Kupferspirale in der Gebärmutter
Familienplanung und Verhütung
Kupferspirale in der Gebärmutter

Pearl-Index 2 – 12

in Deutschland ist das Kondom nach der Pille das zweitliebste Verhütungsmittel, es verhindert beim Geschlechtsverkehr, dass Sperma in die Scheide gelangt und bietet bei korrekter Anwendung einen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, wie z.B. HIV, Syphilis, Gonorrhoe, Hepatitis, Chlamydien etc.

Es ist mit anderen Verhütungsmethoden kombinierbar und in den meisten Drogerien und in allen Apotheken erhältlich. Die Nachteile: es kann platzen oder reißen, Cremes, Öle oder Überschreitungen des Haltbarkeitsdatums können die Sicherheit beeinträchtigen, die Anwendung beim Geschlechtsverkehr kann als störend empfunden werden.

Pearl-Index 1-20

Eine Latexmembran mit flexiblem Drahtring wird ca. 30 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr mit einem spermiziden (spermienabtötendem) Gel eingerieben und in die Scheide eingeführt. Nach dem Einsetzen wird geprüft ob das Diaphragma richtig über dem Muttermund sitzt, es sollte zwischen dem hinteren Scheidengewölbe und dem Schambein ausgespannt sein. Es darf frühestens 6-8 Stunden nach dem letzten Verkehr herausgenommen werden.

Nachteile sind die Anpassung durch den Arzt, bei mehrmaligem Verkehr muss erneut spermizides Gel eingeführt werden, Anwendungsfehler möglich.

Pearl-Index 0,3 – 0,9

Dies ist ein gestagenhaltiges Verhütungsmittel, es wird alle 3 Monate in die Oberarmmusklulatur der Frau oder subkutan injeziert. Die Hormone gelangen langsam ins Blut und verhindern den Eisprung sowie den Schleimhautaufbau in der Gebärmutter und verdicken den Zervixschleim.

Vorteile:

  • keine Einnahmefehler
  • 3 Monate anhaltende Verhütungswirkung
  • bei Östrogenunverträglichkeit möglich

Nachteile:

  • unregelmäßige Blutungen und Gewichtszunahme möglich
  • regelmäßige Injektionen erforderlich
  • teilweise erhebliche Verzögerung des Wiedereintritts der Eierstocksfunktion und damit der Empfängnisfähigkeit
  • Osteoporosegefährdung bei Langzeitanwendung nicht auszuschließen

Pearl-Index 0 – 0,08

Das Verhütungsstäbchen ist eine Alternative zur Drei-Monats-Spritze. Es hat eine Länge von 4 cm und eine Dicke von 2 mm. Es wird auf der Innenseite des Oberarmes unter die Haut implantiert und dort maximal 3 Jahre belassen. Das Stäbchen enthält als Hormon nur Gestagen und wirkt daher wie die Minipille oder die Drei-Monats-Spritze. Nachteile sind: unregelmäßige Blutungen, unreine Haut und Gewichtsprobleme.

Pearl-Index 0,4 – 0,7 

Scheidenring mit 54 mm Durchmesser, der die beiden Hormone Östrogen u. Gestagen über die Scheidenhaut der Anwenderin abgiebt. Der Ring wirkt wie die Pille und verhindert den Eisprung.

Vorteile gegenüber der Pille:

  • keine tägliche Einnahme sondern Wechsel nur alle 3 Wochen
  • Durchfall und Erbrechen beeinträchtigen die Wirksamkeit nicht
  • geeignet für Frauen mit unregelmäßigem Lebensrhythmus
  • geeignet bei Laktoseintoleranz

Nachteile:

  • das eigenständige Einlegen in die Scheide und das Entfernen des Ringes könnten als unangenehm empfunden werden
  • evtl. vermehrter Ausfluss u. Scheidenentzündungen
  • der Ring kann beim Geschlechtsverkehr spürbar sein
  • der Ring kann unbemerkt verloren gehen

Pearl-Index 0,7 – 0,9

Das Hormonpflaster ist ein hautfarbenes Pflaster mit 51,6 mm Seitenlänge, die beiden Hormone Östrogen u. Gestagen werden über die Haut der Anwenderin aufgenommen. Das Hormonpflaster wirkt wie die Pille und verhindert den Eisprung.

Vorteile gegenüber der Pille:

  • keine tägliche Einnahme sondern wöchentlicher Wechsel
  • Durchfall und Erbrechen beeinträchtigen die Wirksamkeit nicht
  • geeignet für Frauen mit unregelmäßigem Lebensrhythmus
  • geeignet bei Laktoseintoleranz

Nachteile:

  • das Pflaster ist auf der Haut sichtbar
  • es kann sich unbemerkt lösen u. verlorengehen
  • es kann zu Pflasterunverträglichkeit mit Hautreizungen kommen

Pearl-Index 2,0-25

Eine Eizelle ist bis zu 24 Stunden befruchtungsfähig, die Spermien des Mannes können bis zu 5 Tage befruchtungsfähig bleiben. Sie überleben in der Gebärmutter und in den Eileitern i.d.R. bis zu 3 Tagen. Die Tage der höchsten Empfängniswahrscheinlichkeit im Zyklus beginnen 3 Tage vor dem Eisprung und enden einen Tag danach (Colombo et al. 1997:3175 Zyklen mit 434 Schwangerschaften). Kaum eine Frau kennt jedoch den exakten Termin, an dem der Eisprung erfolgt. Anhand bestimmter Körperzeichen kann eine Frau feststellen in welcher Phase des Zyklus sie sich befindet und ob sie empfängnisbereit ist.

Ein Zyklus besteht aus 3 Phasen, die Phase vor dem Eisprung (Proliferationsphase), die Zeit des Eisprungs (Ovulationsphase) und die Phase nach dem Eisprung (Lutealphase). Der gesamte Zyklus dauert 21-35 Tage, im Mittel 28 Tage.

Vor dem Eisprung steigt das luteinisierende Hormon (LH) an und erreicht nach einem Tag seinen höchsten Wert, der Eisprung wird ausgelöst. Mit Hilfe von Hormon- u. Zykluscomputern kann dieses LH im Urin gemessen werden (Nachteil: best. Medikamente wie Antibiotika u. Psychopharmaka können das Testergebnis verfälschen). In der Ovulationphase können Körpersignale wie eine Temperaturerhöhung (die Körpertemperatur nach dem Aufwachen steigt im Mittel um 0,5°C), klarer zwischen Daumen u. Zeigefinger spinnbarer Muttermundsschleim, stechender Schmerz im Unterleib (Mittelschmerz), gesteigertes sexuelles Lustempfinden (Libidosteigerung), Stimmungshoch, evtl. eine leichte Schmierblutung (Ovulationsblutung) etc. beobachtet werden.

Es braucht meist etwas Zeit, bis eine Frau in der Lage ist, ihre fruchtbaren Tage selber zu bestimmen. In vielen Städten werden Kurse zur natürlichen Familienplanung von sozialen Beratungsstellen (z.B. ProFamilia) angeboten.

Die verschiedenen Methoden

  • Kalendermethode
  • Temperaturmethode
  • Billings-Methode (Zervixschleim-Methode)
  • Roetzer-Methode/Symptothermale Methode
  • Zykluskontrolle mittels Hormoncomputern

Diese werden auch unter www.frauenaerzte-im-netz.de > Familienplanung > natürliche Familienplanung erklärt.

Pearl-Index bei der Frau 0,3 beim Mann 0,1

Bei der Frau werden die Eileiter unterbunden, beim Mann die Samenleiter durchtrennt. Der Eingriff ist beim Mann viel risikoärmer und einfacher als bei der Frau. Es ist eine operative Methode mit dem Ziel der dauerhaften Unfruchtbarkeit.

Vorteile:

  • keine hormonelle Beeinflussung der Eierstocksfunktion
  • keine Beeinträchtigung des Sexuallebens

Nachteile:

  • nur schwer rückgängig zu machen
  • operativer Eingriff mit entsprechenden operationsbedingten Risiken
  • mitunter früherer Eintritt in die Wechseljahre möglich
  • kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten

Kinderwunsch und Fruchtbarkeitsuntersuchungen

Bei Kinderwunsch und Fragen zur Fruchtbarkeit führen wir eine weitgehende Organdiagnostik sowie die Kontrolle der hormonellen Funktion durch. Außerdem geben wir Empfehlungen zur Empfängnisverbesserung und beraten Sie und Ihren Partner vor Beginn einer Sterilitätsbehandlung nach SGB V.

Von Unfruchtbarkeit oder ungewollter Kinderlosigkeit sind in Deutschland etwa 15% aller Paare betroffen. Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen für die Fruchtbarkeitsstörung. Es gibt körperliche Ursachen und Ursachen die in der Lebensführung der Partner begründet sind. Da eine große emotionale Belastung besteht, spielt gerade bei den körperlichen Ursachen meist auch die Psyche eine große Rolle.

Erst nach zwei Jahren mit regelmäßig ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne Empfängnis spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer „sterilen Partnerschaft“.

Zur Verfügung stehende Behandlungsmöglichkeiten sind

  • hormonelle Stimulation der weiblichen Eierstöcke
  • Samenübertragung (Insemination) i.d.R. mit einem dünnen Katheter in die Gebärmutter
  • die künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, kurz IVF)
  • Mikroinjektion des Spermas in die Eizelle unter mikroskopischer Sicht (Intracytoplasmatische Spermieninjektion, kurz ICSI) evtl. nach Gewinnung der Spermien direkt aus dem Hoden (TESE) oder dem Nebenhoden (MESA)

Weitere Einzelheiten unter www.frauenaerzte-im-netz.de > Krankheiten A-Z > Unfruchtbarkeit.